Methodik: Orientierung durch Stimmigkeit

Das Navigieren entlang eines Anliegens funktioniert genau umgekehrt wie die gewohnte zielfixierte Steuerung. Zielorientierung sucht einen sicheren schlüssigen Weg hin zu einem definierten Ziel, „zieht“ also vom Ende her. Anliegenorientierung ist dagegen ein dauerndes Navigieren durch Stimmigkeit im sich verändernden Umfeld und „schiebt“ aus sich heraus vom Anliegen her.

 

Ein wenig wie die belebte Natur, ein extrem offener Prozess, der keine Ziele kennt, nur Möglichkeiten und Entwicklungskräfte. Diese gründet ihr Vorankommen auf schöpferische Eigendynamik und ihre existentielle Sicherheit (Antifragilität) auf Fülle und Redundanz. Die Natur schaut niemals vom Ende her und sucht den besten Weg dahin, sondern immer vom Anfang her und findet dann die beste Entwicklungsmöglichkeit. Zugegeben, heutige Organisationen verfügen nicht über die Entwicklungszyklen und Redundanzen der Natur. Sie brauchen eine gute Ausrichtung, denn sie müssen für Überleben und Erfolg rasch vorankommen. Aber wie bei der Natur liegt die Intelligenz in der Stimmigkeit, nicht in der Schlüssigkeit des Vorgehens.

 

 

Anliegenorientierung blendet nicht zugunsten eines Fixsterns alle anderen Faktoren aus, sondern bezieht alle Einflussfaktoren ein. Denn Orientierung am Anliegen heisst, das, was anliegt, als eigenes Anliegen zu ergreifen. Dabei geht der Blick also sowohl in meinen Kontext (wo etwas anliegt) als auch zu mir selbst (meine Freiheit, das Anliegende zu meinem zu machen oder nicht). Philosophisch nennen wir diese Denkhaltung: Freiheit in Verbundenheit. Sie umfasst bewusst ein Sowohl/als auch, ein produktives Spannungsverhältnis zwischen Gegensätzlichem, das es in Harmonie bringt.

 

„Freiheit in Verbundenheit“ ist eine Haltung, die nicht Schlüssigkeit sucht, sondern Stimmigkeit. Die den Gegensatz nicht in einen zielgerichteten Schritt 1 und einen korrigierenden Schritt 2 auflöst, sondern stattdessen die Folgen direkt bei jedem Schritt mitdenkt. Das führt zu der kreativen Beweglichkeit im Handeln, die es angesichts der Unvorhersehbarkeit, Komplexität und Widersprüchlichkeit zunehmend braucht. Und unterstützt empathisch-konstruktives Handeln, weil es genauso das „Mitnehmen“ Anderer wie das (gemeinsame) „Vorankommen“ im Blick hat, wie es z.B. für Erfolg in der Arbeitswelt gebraucht wird.